Schlafkonzerte in der Ukraine: Musik als Hoffnungsträger in Zeiten des Krieges
Connor -
Schlaf ist eine der wichtigsten Phasen für uns Menschen. Wir schlafen sechs, sieben, acht oder vielleicht sogar neun Stunden jede Nacht und erholen uns, regenerieren unseren Körper. Doch leider trifft das nicht auf alle Menschen auf unserer Welt zu. Der Schlaf der Menschen in der Ukraine wird seit über dreieinhalb Jahren von den russischen Angriffen überschattet. Jede Nacht müssen die Menschen dort ihren Schlaf zum eigenen Schutz und wegen großer Angst vor neuen Angriffen opfern. Um den Menschen in der Ukraine genau bei diesem Thema des fehlenden Schlafes zu begegnen, hat die Musikerin Julia Buch ihre sogenannten Schlafkonzerte mit Partnerorganisationen direkt in der ukrainischen Hauptstadt Kiew möglich gemacht. Dort hat sie mit dem lokalen Partner “SaveUkraine” eine Woche lang im Creative Hub von ArtHelps, für Kriegstraumatisierte Kinder kreativ - Workshops und Schlafkonzerte angeboten. Wir bei SofaConcerts hatten das große Glück Julia Buch für ein spannendes Interview bei uns zu haben und ihre großartige Arbeit und den Zauber hinter den Schlafkonzerten kennenzulernen und nun darüber berichten zu dürfen.
Alle Themen auf einem Blick
Die Musikerin hinter den Schlafkonzerten
Julia erzählt uns im Interview, dass sie seit ihrem vierten Lebensjahr Musikerin mit Leib und Seele ist und den Weg zur Musik durch ihren Vater gefunden hat. Dieser war nämlich Pianist und spielte regelmäßig für Julia. Sie sagt selbst, dass dies ihr Leben sehr geprägt hat. Sie ist aber nicht nur eine Musikerin aus der Klassik, sondern auch Singer-Songwriterin und hat dies auch an der Popakademie in Mannheim für Pop, Musik und Design studiert. Nach ihrem Studium ist Julia Veranstalterin geworden und hat schon früh ihr eigenes Unternehmen Schlafkonzerte gegründet. Mit diesem, so erzählt sie uns, macht sie nun schon seit über zwölf Jahren Schlafkonzerte in ganz Deutschland und war gerade frisch mit den Schlafkonzerten und mit einem praktischen Hilfseinsatz sowie zwei Kooperationspartnern, die sich für kriegstraumatisierte Kinder einsetzen in der Ukraine.
“Musik ist so auch in meinem persönlichen Leben schon immer eine ganz große Stütze gewesen. Ich habe nicht umsonst die Schlafkonzerte auch angefangen, weil es eben für mich immer noch den Aspekt hatte, dass Musik ja Entertainment ist, aber es ist, finde ich, halt noch viel tiefer liegend, wirklich eine heilsame Kraft”, meinte Julia.
Die Entstehung der Schlafkonzerte
Wie kommt man auf die Idee Schlafkonzerte zu geben? Denn die zwei Faktoren “Schlafen” und “Konzerte”, werden eigentlich nicht so oft im selben Kontext erwähnt. Für Julia ist das ganz simpel und lustig, denn sie hatte diese Idee während des Studiums in einem Traum gehabt und dann auch schnell in die Tat umgesetzt und ihr erstes Schlafkonzert an der Popakademie gegeben. Darüber hinaus hat Julia auch ihren Bachelor über Schlafkonzerte geschrieben und beim damals größten Schlafkonzert Deutschlands mit veranstaltet.
Herausforderungen und Kritik auf dem Weg
Kritik und Hindernisse gab es natürlich auch bei der Entstehung der Schlafkonzerte, erzählt Julia. Als junge Frau im Musikbusiness wurden ihr viele Steine in den Weg gelegt, sei es das nicht ernst genommen werden oder die Annahmen, es sei ja nur eine lustige Spaßidee, schließlich würde niemand Geld dafür bezahlen, sich hinzulegen. Eine sehr einschneidende Erinnerung war das erste Schlafkonzert, welches Julia zusammen mit einem Orchester veranstaltet hat. Ein Orchester, das die Idee der Schlafkonzerte im Nachhinein als eigens gegründete Idee beansprucht hat. Dies war für Julia ein direkter Schlag zurück auf den Boden der Tatsachen, welcher ihr klar machte, in diesem Business gibt es ein ständiges Ringen um neue Ideen. Julia hat sich davon aber nicht unterkriegen lassen und sagt: “Es ist natürlich so, man kann Dinge kopieren, aber man kann, finde ich, die Herzenshaltung, wie man Dinge macht oder auch den Sound, das kann man ja nie kopieren, so in dem Sinne.” Heute sieht Julia das Ganze als etwas Positives, denn sie hat mit ihrer Idee eine Lücke gefüllt, die die ganze Branche positiv beeinflusst und einen Mehrwert geschaffen hat.
Wie funktioniert ein Schlafkonzert?
Wie funktioniert nun aber so ein Schlafkonzert eigentlich genau?
Ein Schlafkonzert findet immer an einem schönen vorbereiteten Ort statt, wo jeder seinen eigenen
Matten-Platz mit einem eigenen Kopfkissen und einer eigenen Decke hat.
Schlafkonzerte in der Ukraine - Ein Projekt mit ArtHelps
Julias Idee und spätere Umsetzung der Schlafkonzerte in der Ukraine begann durch die Kooperation und
Freundschaft mit ArtHelps. Mit ArtHelps, die sich
weltweit für benachteiligte Kinder einsetzen, hat Julia schon andere Schlafkonzerte, beispielsweise im
Ahrtal für Kinder, deren Familien die Flutopfer waren, gespielt. Daraus entwickelte sich zusammen mit
ArtHelps das Projekt in der Ukraine. Ihr Wunsch war es, trotz der Kriegssituation in der Ukraine den
Menschen vor Ort, die seit drei Jahren keinen richtigen Schlaf mehr haben, einen Friedensraum mit Musik zu
schaffen. Dafür haben Julia und ihr Team die Schlafkonzerte in der Ukraine vor allem für die Kinder
angepasst und verändert. Dort ging es nicht nur um reine Musik, sondern um eine “Sound-Story”. Julia
beschreibt diese als Schlafgeschichte, die vom Englischen ins Ukrainische übersetzt wurde und mit Musik
sowie einem Ausruhpunkt verbunden wurde, damit die Kinder ganz bei sich sein konnten. Im Laufe des
Schlafkonzertes leitete die Musik und die Geschichte zu einer ganz besonderen Traummaschine, die
“Dream-Sound-Maschine” hin.
Einblicke: Julias Begegnungen und Erfahrungen vor Ort
Zum Ende des Interviews erzählt uns Julia, was ihre Erfahrungen und Einblicke durch die Konzerte waren und
was sie mit den Menschen gemacht haben. Sie erzählt von vielen emotionalen und herzzerreißenden
Begegnungen sowie von den individuellen Reaktionen der verschiedenen Menschen auf die Schlafkonzerte.
Julia erzählt, dass neben den Kindern auch viele Erwachsene bei den Schlafkonzerten waren. Unter ihnen beispielsweise eine Therapeutin, die durch Schlafkonzerte alles einfach einmal loslassen und wieder Hoffnung spüren konnte.
Generell sei es, laut Julia, ein großer Unterschied gewesen, wie Kinder und Erwachsene die Schlafkonzerte
wahrgenommen haben. Kinder konnten sich viel schneller auf ein Schlafkonzert einlassen, während Erwachsene
noch länger in ihrem Gedankenkarussell gefangen waren. Sie meint damit, dass die Erwachsenen nach ihrem
stressigen Alltagstunnel nicht, bzw. schwierig in die Ruhe kommen können. Kinder dagegen wieder sind
eingekuschelt in eine Decke und sofort fertig für die Traumreise.
Das Ziel der Schlafkonzerte in der Ukraine
Im Interview spricht Julia offen über die besonderen Erfahrungen rund um die Schlafkonzerte, die Reaktionen der Menschen und ihre Erlebnisse in der Ukraine. Gleichzeitig thematisiert sie auch das konkrete Ziel dieses besonderen Projekts. Die Kinder sollten im Zusammenhang mit der Dream-Sound-Maschine verstehen, dass man aus eigener Kreativität heraus sich selbst helfen und eigene Träume verwirklichen kann. Die Erwachsenen brauchen die Schlafkonzerte dagegen dringend, um zu entspannen. Das Ziel ist es, ihr Nervensystem, das durch den Krieg auf Hochtouren läuft, zu entspannen. Für Julia sei es dafür wichtig gewesen, dass zum Glück während keines Schlafkonzertes ein Alarm stattgefunden hat.
Was bleibt? Julias Erkenntnisse und Ausblick
Am Ende unseres Gesprächs blickt Julia auch nach vorne und teilt, was sie persönlich aus den
Schlafkonzerten in der Ukraine mitgenommen hat. Besonders deutlich wurde für sie noch einmal, wie
kraftvoll und wirksam Musik sein kann – gerade in Ausnahmesituationen. Musik kann trösten, beruhigen,
Hoffnung schenken und eine mentale Stütze sein, wenn Worte nicht mehr ausreichen. Genau diese Wirkung hat
Julia während ihrer Zeit in Kiew immer wieder erlebt und gespürt.
Die Erlebnisse der Reise haben Julia aber auch emotional stark bewegt. Besonders angespannt blieb ihr ein
Moment in Erinnerung, als drei Stunden nachdem sie an der Kiewer Metro war, dort eine Bombe einschlug.
Fazit: Hoffnung, Musik und der Blick nach vorne
Für die Zukunft wünscht sich Julia, dass Musiker ihre Gabe stärker nutzen, um Menschen bei ihrer mentalen
Gesundheit zu helfen und dass Musik wieder zu echter „Hoffnungsmusik“ wird. Musik, die Nähe schafft, Mut
macht und zur Heilung beiträgt und nicht nur auf großen Entertainment-Bühnen zur Unterhaltung dient,
sondern vor allem dort, wo Menschen Halt, Ruhe und Zuversicht brauchen.
Dieses Mega-Projekt konnte durch die Kooperation mit ArtHelps, Central Arts, der lokalen
Organisation in der Ukraine: Save Ukraine und Schlafkonzerte entstehen. Diese Partnerschaften haben
die besondere Form der musikalischen Unterstützung möglich gemacht und die Schlafkonzerte in der Ukraine
verwirklicht.
Über Julia Buch
Nachdem ihr jetzt Julia und ihre Geschichte kennengelernt habt, können wir euch nur noch einen kleinen
Tipp geben. Schaut bei Julia Buch vorbei und bucht sie über SofaConcerts, um selber ein unvergessliches
Schlafkonzert mitzuerleben.